6. bis 11. Oktober 2006 in Stuttgart

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Eigenproduktion: Flaschenpost aus Deutschland

Flaschenpost aus Deutschland
Ein Stück zur deutschen Vielfalt am Tag der deutschen Einheit

Text: Milenko Goranovic
Regie: Wilfried Alt
Bühne und Kostüme: Christine Brunner
Theaterpädagogik: Anke Marx
Video: Simone Heineck
Technik: Tobias Metzger
Assistenz: Emanuela Lunghi, Tanja Arnant

Mit: Barbara Gaisbauer, Boonthariga Rügner, Bost Svoboda, Daniela Sima, Eduard Badasyan, Eleni Tegonikou, Labi Meemongkol, Luisa Meyer-Voi, Mariangela Toso, Ida Kassiekpo Ouhe, Salvatore Voi, Senem Altuntas, Shadi Nikoukhessal, Alexej Hänsch, Ismail Yavuzkurt, Erkan Karakaplan, Korkmaz Arslan, Uwe Kaiser.

Mit dem Stück "Flaschenpost aus Deutschland" feiert ein außergewöhnliches interkulturelles Theaterprojekt am
3. Oktober im Theaterhaus Stuttgart seine Premiere. Der "Tag der deutschen Einheit" verwandelt sich auf der Bühne zu einem "Tag der deutschen Vielfalt". Eine ähnlich umfangreiche interkulturelle Produktion hat es in Stuttgart noch nicht gegeben! 17 Spieler und Spielerinnen mit Migrationshintergrund aus neun verschiedenen Herkunftsländern zeigen in dem abwechslungsreichen Stück Amüsantes, Berührendes, Widersprüchliches, Verstörendes und Erhellendes aus einer interkulturellen deutschen Realität. Ihre Erlebnisse und Beobachtungen bildeten den Ausgangspunkt für Milenko Goranovics Theaterstück, das unter der Regie von Wilfried Alt seine Uraufführung erlebt. Realisiert wurde die Produktion vom Forum der Kulturen e.V. in Kooperation mit dem Schauspiel des Staatstheaters Stuttgart und dem Jugendhaus Mitte.

Menschen aus verschiedenen Winkeln der Welt, aus unterschiedlichen Lebensuniversen treffen in "Flaschenpost aus Deutschland" aufeinander. Sie werfen Blicke in weitgehend unsichtbare Bereiche der Gesellschaft und erzählen Geschichten, die teilweise fremd, aber auch teilweise überraschend vertraut erscheinen:

Mascha sammelt gute Nachrichten aus Deutschland, steckt sie in Flaschen und schickt sie in die Welt.
Ein junger russischer Autor schreibt sperrige Geschichten, die keiner lesen will und kritisiert, wen er nicht kritisieren sollte. Eigentlich will er nach Amerika und träumt von einer Karriere in Hollywood.
Eine Liebesgeschichte muss erzählt werden, finden vier Frauen. Wer bitte interessiert sich für den Kampf der Kulturen und das, was Kulturpessimisten für "die Wahrheit" halten? In einem Stück muss unbedingt Liebe vorkommen. Und sie kommt vor. Natürlich.
Zwei entzückende thailändische Tänzerinnen sind entzückt von deutscher Liebenswürdigkeit.
Ein slowakischer Außenseiter reißt die Pflaster von den Oberflächen und legt den Finger in verschiedene deutsche Wunden. Er will tiefere Wahrheiten freilegen. Er will, dass es wehtut. Eine Afrikanerin kritisiert die Bibel und drei türkische Altenpfleger skizzieren ihr Deutschlandbild mit: - Rheuma, Prostatahyperplasie und Demenz .
Eine Italienerin will beim Mülltrennen ihre deutsche Nachbarin beeindrucken oder besser noch übertreffen. Sie hat Angst vor dem großen Zusammenstoß zwischen westlicher und islamischer Welt.
Und eine engagierte Sozialarbeiterin kämpft gegen die Widerstände der Politik für ihr integratives Theaterprojekt, das den Migranten "eine Stimme" geben möchte.

Jeder der Protagonisten hat seine unverwechselbare Geschichte im Gepäck, in den Kleidern, ins Gesicht geschrieben. Gemeinsam ist ihnen: Sie leben in Deutschland, sie lieben und leiden in diesem Land und sie wollen es mitgestalten, wollen vorkommen, wollen hörbar und sichtbar sein. Denn dieses Land ist ihre Heimat oder soll ihre Heimat werden. Getreu dem Satz: "Wer den Ort, an dem er lebt, mitgestaltet, schafft Heimat".

Die 17 theaterbegeisterten Spielerinnen und Spieler im Alter zwischen 17 und 59 Jahren stammen aus dem Kongo und dem Iran, aus Thailand, Russland und der Türkei, aus Italien, Griechenland, der Slowakei und Österreich. Sie kommen aus der ersten und zweiten Einwanderergeneration. Einige stehen zum ersten Mal auf der Bühne, andere bringen jahrelange Bühnenerfahrung mit. Aber alle verbindet die Leidenschaft am Theaterspiel und der Wunsch ihren Blick auf Deutschland als Teil der deutschen Gesellschaft mitzuteilen.

Den Text verfasste der aus Bosnien stammende Stuttgarter Milenko Goranovic. Er ist Dramaturg und Schauspieler am Theaterhaus Stuttgart. Inspiriert durch gemeinsame Gespräche mit den Darstellern, aber auch auf Grundlage seiner eigenen Erfahrungen, entwickelte und verwob er Bilder und Geschichten, in welche die persönlichen Erlebnisse und Beobachtungen der Spieler auf sensible Weise einfließen. Es ist ein Text entstanden, der auch schwierige Seiten deutscher Realität nicht ausblendet.

Die Regie übernahm der junge Stuttgarter Regisseur Wilfried Alt, der im vergangenen Jahr mit seinem interkulturellen Theaterprojekt "Die Russen kommen" auf sich aufmerksam machte. Seine jüngsten Arbeiten, unter anderem am Staatstheater Stuttgart, waren "Letzte Wünsche" von Giles Smith, "Sauerstoff" von Iwan Wyrypajew, "Nichts Schöneres" von Oliver Bukowski und "Die Gaunereien des Scapin" von Molière.

Das Bühnen- und Kostümbild gestaltete Christine Brunner aus Wien. Sie war Bühnenbildassistentin am Staatstheater Stuttgart und arbeitet seit einiger Zeit mit Wilfried Alt zusammen.

Das Theaterprojekt "Flaschenpost aus Deutschland" realisiert das Forum der Kulturen Stuttgart e. V. im Rahmen von !Heimspiel - Theaterfestival der Kulturen, dem ersten bundesweiten Migrantentheaterfestival, das vom 6. bis 11. Oktober in den drei Stuttgarter Theatern im Kulturareal Unterm Turm (FITZ! - Zentrum für Figurentheater, Junges Ensemble Stuttgart und Theater tri-bühne) stattfindet. Heute, wo die Auseinandersetzung mit Migration, Integration und der deutschen Identität immer deutlicher in die öffentliche Diskussion rückt, schreibt das Forum der Kulturen dem Medium Theater die Kompetenz zu, Dialoge zwischen den Kulturen sichtbar machen zu können. Gerade deshalb kommt Theaterprojekten wie "Flaschenpost aus Deutschland" eine zentrale Bedeutung zu. Deutschland sehnt sich nach einem neuen Patriotismus. Wie soll der aussehen? Welche Stellung haben die Migrantinnen und Migranten in einer neuen emphatischen Selbstdefinition der Deutschen? Welchen Klang haben die Worte der deutschen Hymne "Einigkeit und Recht und Freiheit" für Zuwanderer? Welche gesellschaftliche Vision haben wir von Deutschland? Sind die vielen Zuwanderer - geduldet oder willkommen? Fragen und Denkanstöße am Tag der deutschen Einheit in einem Theaterstück über deutsche Vielfalt.

Aufführungstermine:
Premiere: 3. Oktober 2006, 20 Uhr, Theaterhaus
Weitere Aufführungen: 5. Oktober, 20 Uhr, Theaterhaus

Theaterhaus Stuttgart, Siemensstr. 11, 70469 Stuttgart
Kartenvorverkauf über das Theaterhaus Stuttgart:
Tel.: 07 11/402 07-20/-21/-22/-23,
Fax: 07 11/40 207-29,
E-Mail: tickets@theaterhaus.com,
www.theaterhaus.com

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Realisiert wurde die Produktion vom Forum der Kulturen Stuttgart e. V. (Dachverband der Migrantenkulturvereine und interkulturellen Einrichtungen der Region Stuttgart) mit Unterstützung des Programms entimon des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Landesstiftung Baden-Württemberg, des Kulturamts der Landeshauptstadt Stuttgart, des Schauspiels des Staatstheaters Stuttgart und dem Jugendhaus Mitte.

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