Monatsmagazin

Aktuelle Ausgabe

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Bildung ist wichtig für die Zukunft eines jeden Einzelnen. Dies wissen alle Migrantinnen und Migranten und dies erfahren nicht zuletzt auch deren Kinder und Kindeskinder tagtäglich. Deshalb engagieren sich auch so viele Migrantenvereine gerade auf diesem Gebiet so sehr. Nach den kulturellen Aktivitäten rangiert das Engagement im Bildungsbereich gleich auf Platz zwei, so eine Umfrage, die das Forum der Kulturen kürzlich bei den über 300 Stuttgarter Migrantenvereinen durchgeführt hat. Auch der neue Armutsbericht der Bundesregierung bestätigt dies: Je höher die Bildung, umso geringer das Risiko zu verarmen – ein Risiko, das übrigens auch in Deutschland deutlich zunimmt. Doch es gibt hier eine entscheidende Einschränkung: einer aktuellen Studie1) zufolge haben Eingewanderte selbst viele Jahre nach ihrer Ankunft bei gleicher Bildung, Arbeit oder Gesundheit ein deutlich höheres Armutsrisiko als der Rest der Bevölkerung.

Im Auftrag der Staatsministerin Özoguz ermittelte das Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin, dass bei Menschen mit einer Einwanderungsgeschichte das Risiko zu verarmen mit 26 Prozent deutlich größer ist als bei Menschen ohne Migrationshintergrund, hier sind „nur“ 14 Prozent entsprechend gefährdet. Und es ist auch nichts Neues, dass Menschen mit fremd klingenden Namen eine geringere Chance haben, überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, als Menschen, die Schmidt oder Meyer heißen.

Bildung bleibt für den beruflichen Erfolg entscheidend, aber es gibt auch Faktoren, die diesen Erfolg ausbremsen. Auch „in- dividuelle oder institutionelle Diskriminierung sind Gründe für höheres Armutsrisiko“mutmaßen die Autorinnen und Autoren der Studie. Bildungsarbeit muss deshalb auch stets eng verzahnt sein mit einem Engagement gegen Ausgrenzung und Vorurteile. Denn erst wenn Herkunft, Aussehen oder einfach nur der Name keine Rolle mehr spielt, weder beim beruflichen Werdegang noch bei der Wohnungssuche, weder auf den Ämtern noch im Alltag – erst dann kann von einer „gelungenen Integration“ gesprochen werden, erst dann sind Migrantinnen und Migranten und deren Nachkommen gleichwertiger Teil der Gesellschaft.

Und hier ist wieder die Bildung gefragt, sind Lernprozesse notwendig. Zu wissen, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben, dass die Würde eines jeden Menschen unantastbar ist, dass jeder, der hier lebt, Teil unserer Gemeinschaft ist – dies zu wissen ist auch Bildung, eine Bildung, die sich auch der eine oder andere „Bildungsbürger“ noch wird aneignen müssen.
Vielleicht hilft die Lektüre dieser Zeitschrift ein bischen dabei, entsprechende Bildungslücken zu schließen.

Ihr
Sami Aras
(Vorsitzender des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.)