Monatsmagazin

Aktuelle Ausgabe

  

 

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die bunte Vielfalt des Stuttgarter Kulturangebots ist inzwischen unübersehbar. Nicht zuletzt diese Zeitschrift führt dies Monat für Monat ihren Leser*innen vor Augen. Dabei sind es nicht zuletzt die vielen, hier in der Region lebenden und arbeitenden migrantischen Künstlerinnen und Künstler, die unser Kulturleben in seiner enormen Vielfalt bereichern. Diesen Künstlerinnen und Künstlern ist das interkulturelle Festival Made in Stuttgart gewidmet. An fünf Tagen im November geben nahezu 100 Akteure auf 12 verschiedenen Bühnen dieser Stadt in insgesamt 18 verschiedenen Produktionen und Laboren Einblicke in die Traditionen ihrer Herkunftsländer, setzen sich mit spannenden Migrationsbiografien auseinander und verbinden künstlerischen Ausdruck mit aktuellen Themen wie Migration, Flucht und Heimat.

Oft werden solche Events mit dem Titel „Internationales Festival“ versehen, als kämen die Akteure aus fernen Ländern an- gereist, als Vertretende „ihrer“ Nationen oder „ihrer“ Kulturen. Doch alle, die bei Made in Stuttgart auf der Bühne stehen, sind Stuttgarter*innen bzw. aus der Region rund um Stuttgart. Sie wohnen und arbeiten hier, ihre künstlerischen Produktionen entstehen hier – eben: „Made in Stuttgart“. Sie sind keine exotischen Fremden, keine „Kultur-Gastarbeiter“, die dann bald wieder zurückreisen in „ihre“ Länder. Nein, sie alle gehören zu Stuttgart, sind unverzichtbarer Teil unserer bunten, kulturell diversen Stadtgesellschaft, fester Bestandteil unseres Kulturlebens.

Es sind Künstlerinnen und Künstler, die sich in ihrer Arbeit in der Regel nicht auf den mitteleuropäischen klassischen Kulturkanon beschränken, sondern auch Kenntnisse und Erfahrungen aus anderen Regionen, Lebenswelten und Traditionen künstlerisch umsetzen und kreativ verwerten. Es sind prägende Erlebnisse aus der eigenen Migrationsgeschichte, aber auch wertvolle Bezüge zum Herkunftsland, die oft noch in die zweite oder dritte Generation hineinwirken – und unsere Kulturszene lebendiger, bunter, vielfältiger machen.

Stuttgart wurde kürzlich zum vierten Mal zur Kulturhauptstadt Nr. 1 gekürt. Den Anteil, den migrantische Künstlerinnen und Künstler an dieser Auszeichnung haben, kann nicht hoch genug bewertet werden. In den offiziellen Lobpreisungen allerdings wurden sie nicht besonders erwähnt. Vielleicht kann Made in Stuttgart die Scheinwerfer etwas stärker auf diese wichtige Seite der
Kulturhauptstadt richten, auf die Inter-Kulturhauptstadt.

Ihr

Sami Aras
Vorsitzender des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.