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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

im Mai wird das Forum der Kulturen zwanzig. Wir haben es geschafft, uns von einem kleinen, ehrenamtlich geführten Verbund zu einer Organisation mit inzwischen mehr als zwanzig Mitarbeitern zu entwickeln. Mit derzeit 122 Mitgliedsvereinen sind wir inzwischen der größte Dachverband von Migrantenorganisationen in Deutschland – eine Entwicklung, auf die wir stolz sein können.
Doch neben dem 20. Geburtstag können wir derzeit auch einige Zehner-Jubiläen feiern. Im Dezember haben wir bereits auf das Zehnjährige unseres interkulturellen Frühstücktreffs Brunch global angestoßen. Und im Februar wird es unser Theaterensemble sein, dessen zehnjähriges Bestehen wir feiern dürfen.
Vor zehn Jahren hat der Regisseur Wilfried Alt dieses interkulturelle Theaterensemble ins Leben gerufen, heute wird es von der Theaterpädagogin Boglárka Pap geleitet. Und auch wenn sich für jede neue Produktion das Ensemble neu zusammensetzt, ist es doch jedes Mal eine bunte Gruppe theaterbegeisterter Menschen unter- schiedlichster Hinter- und Vordergründe, die nicht nur Lust am Theaterspielen haben, sondern auch ein Interesse daran, ihre eigene Realität und damit die Vielfalt unserer Einwanderungsgesellschaft auf die Bühne zu bringen.
Schaut man der Gruppe beim Arbeiten zu und sieht die auf die Bühne gebrachten Früchte ihrer Arbeit, merkt man, wie wertvoll solche Projekte nicht zuletzt auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind. Es stehen Menschen auf der Bühne, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die nicht nur auf der Bühne verschiedene Rollen spielen, sondern sich auch im wirklichen Leben nicht auf eine Identität, nicht auf eine kulturelle Zuschreibung oder einen Lebensstil reduzieren lassen. Sie verkörpern auf der Bühne wie auch im Leben die Realität multipler Identitäten, Realitäten des „Sowohl-als-Auch“. Und so unterschiedlich die Akteure sind, so unterschiedlich sind die Blickwinkel mit denen sie ihre Themen beleuchten – ein ständiger Perspektivwechsel, der unseren Blick erweitert. Und bei aller Verschiedenheit, bei aller Vielfalt: das Zusammenspiel funktioniert, ergibt bei aller notwendigen Differenz ein stimmiges, geschlossenes Bild, auf der Bühne wie hinter den Kulissen: das interkulturelle Theaterensemble als Abbild unserer migrantisch geprägten Gesellschaft. Nicht zuletzt aber zeigt die Arbeit dieser Gruppe, was Kunst und Kultur sein kann, wenn sie die Vielfalt unserer gesellschaftlichen Realität widerspiegelt, aufgreift und behandelt: sie entwickelt nicht nur eine enorme Dynamik und Relevanz, sondern macht schlicht und einfach auch Spaß.

Stöbern Sie in dieser Zeitschrift; sie finden gewiss genügend passende Veranstaltungen und anregende Angebote.

Ihr

Sami Aras
(Vorsitzender des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.)