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Aktuelle Ausgabe

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

als vor 20 Jahren das Forum der Kulturen gegründet wurde, war die migrationspolitische Welt noch eine andere. Menschen mit einer Einwan- derungsgeschichte, selbst wenn sie bereits in der zweiten oder dritten Generation hier lebten, wurden meist immer noch „Ausländer“ genannt; das Wortungetüm „Migrationshintergrund“ begann gerade erst sich zu etablieren. Und als die (damals rot- grüne) Bundesregierung erstmals von Deutschland als Einwanderungsland sprach, galt dies schon als kleine Sensation. Migrantenorganisationen, ihre Aktivitäten und Potenziale wurden kaum wahrgenommen, geschweige denn gefördert. Das Forum der Kulturen erledigte damals tatsächlich Pionierarbeit – manche nannten uns deshalb auch „Utopisten“.

Und nicht wenige, die uns heute in höchsten Tönen loben, standen damals unseren Ideen und Zielen skeptisch bis ablehnend gegenüber und machten uns die Arbeit nicht gerade leicht. Umso mehr gilt unser Dank gerade auch diesen Skeptikern, dass sie über ihren Schatten gesprungen und uns letztlich dann doch unterstützt haben. Doch es war stets ein harter Kampf, hat viele durchgearbeitete Abende und Wochenenden und viel Kraft gekostet.

Klar, vieles hat sich verändert und auch verbessert, nicht zuletzt die Situation von Migrantenvereinen – und ein wenig ist dies auch das Verdienst des Forums der Kulturen. Aber vieles, was uns in der Vergangenheit beschäftigte, ist immer noch gegenwärtig, wenn vielleicht auch in einer etwas anderen Verpackung. Ungerechtigkeit und Unfrieden, mangelnde Teilhabe und Chancengleichheit, verallgemeinernde Vorurteile und machtbeflissene Ignoranz, (sogar zunehmende) Diskriminierung und Ausgrenzung – all dies müssen wir heute noch genauso angehen wie damals. Auch heute begreifen viele Menschen unsere Gesellschaft noch nicht als bunt und vielfältig, als Ort, wo keine Schubladen und kulturalisierenden Zuordnungen mehr Platz haben, wo nicht Einfalt, sondern Vielfalt das Typische ist. Und auch heute noch kostet dieser Kampf viel Zeit, Nerven und Kraft.

Doch im Gegensatz zu früher sind wir inzwischen viele: nicht nur die Zahl unserer Mitgliedsvereine und unserer Mitarbeiter*innen hat sich in diesen 20 Jahren vervielfacht, auch unsere Kontakte, unsere Netzwerke und vor allem unsere vielen Ehrenamtlichen und Unterstützer*innen aus allen Teilen der Bevölkerung. Vor allem bei ihnen möchten wir uns anlässlich dieses wunderbaren Jubläums von ganzem Herzen bedanken.

Ihr

Sami Aras
Vorsitzender des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.