Monatsmagazin

Aktuelle Ausgabe Dezember 2018 bis Januar 2019

 

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

2018 war ein Jahr des Rückblicks auf die 20-jährige Geschichte des Forums der Kulturen. Wir wurden gefeiert und haben uns gefreut über das große Lob. Doch stets gilt es auch, nach vorne zu blicken – nun, zum anstehenden Jahreswechsel, erst recht. Die Frage nach der eigenen Zukunftsfähigkeit stellt sich jede Organisation – und das Forum der Kulturen nimmt diese Aufgabe sehr ernst.

Teile unserer Zukunftsthemen sind längst Gegenwart, nur haben dies viele noch nicht wahrgenommen. Längst leben wir in einer neuen, durch Migration und Globalisierung geprägten Gesellschaft, in der es keine klassisch homogenen Identitäten mehr gibt. Weder Migration noch Globalisierung lassen sich rückgängig machen. Identitäten lassen sich weniger denn je leicht und bequem über eine nationale Zugehörigkeit definieren. Es werden dauerhaft Menschen mit den unterschiedlichsten kulturellen und religiösen Prägungen, mit unterschiedlichsten Wertemustern und Denkweisen zusammenleben, ob sie wollen oder nicht. Und dieses Miteinander wird auch die und den jeweils Einzelne*n verändern. Festgefügte Muster und Identitäten einer und eines jeden – ob neu zugewandert oder alteingessen –werden in Frage gestellt. Es entsteht etwas Neues.
Viele träumen immer noch davon, die große Vielfalt der inzwischen hier anzutreffenden Lebens-, Denk- und Glaubensweisen ließe sich „integrieren“ in die alten und vertrauten Lebens- und Glaubenssätze einer gefühlt homogenen Vergangenheit und man könne dann hinterher, wenn alle „integriert“ wären, weiter machen wie bisher. Dass dies eine Lebenslüge ist, begreifen immer mehr Menschen. Doch nicht alle sind bereit und in der Lage, sich auf diesen Wandel einzustellen; nicht wenige versuchen, die alten Zeiten zurückzuholen und propagieren rechtes, nationales Gedankengut.
Das Nebeneinander vielfältigster Lebens-, Denk- und Glaubensweisen ist stets auch ein Miteinander. Doch so simpel sich dies anhört, so wenig sind wir alle – Menschen, Institutionen, Politik – wirklich darauf eingestellt. Obwohl kulturelle Vielfalt längst Realität ist, wird das Thema – wenn überhaupt – als Zukunftsthema verhandelt: Wie wollen wir künftig miteinander leben? Wie müssen gesellschaftliche Strukturen und Institutionen angesichts all dieser enormen Veränderungen künftig gestaltet sein? Das sind „Zukunftsfragen“, mit denen wir uns alle schon längst – und spätestens im neuen Jahr – befassen sollten.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen alle besinnliche Feiertage und ein gutes, veränderungsfreudiges neues Jahr.

Ihr
Rolf Graser,  Geschäftsführer des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.

 

(Ältere Ausgaben stehen Ihnen hier zum Download zur Verfügung.)