Monatsmagazin

Aktuelle Ausgabe Dezember 2019 bis Januar 2020

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

blickt man zurück ins nun zu Ende gehende Jahr, könnte man rasch ein sehr düsteres Bild vor Augen haben. Nicht nur die weltweite Zunahme von Rechtspopulismus und Nationalismus, auch das Ansteigen rassistisch motivierter Gewalttaten muss uns Sorgen ma- chen. Man kann zu Recht Angst bekommen, wenn man beobachtet, wie selbst in der Mitte der Gesellschaft die Ablehnung und die Ausgrenzung von allem, was „anders“ oder „fremd“ zu sein scheint zunimmt. Diskriminierung und Rassismus sind in diesem Jahr verstärkt zum Thema geworden.

Doch bei aller Empörung über diese ernstzunehmende Bedrohung von Demokratie und Vielfalt gibt es auch Grund zur Hoffnung. Noch nie haben so viele Menschen öffentlich Stellung bezogen gegen Rechte und Rassisten, haben sich mit Diskriminierten und Bedrohten solidarisiert und eindeutig Stellung bezogen für Vielfalt – auf Demonstrationen, Kundgebungen und anderen öffentlichkeitswirksamen Aktionen, in sozialen Netzwerken ebenso wie bei Gesprächen im Freundeskreis. Die Gefahr, der unsere Ge- sellschaft durch rassistische und antidemokratische Tendenzen ausgesetzt ist, war lange Zeit ein bundesdeutsches Tabu. Gut, dass sie zunehmend erkannt und thematisiert wird – von Rassismus redet inzwischen auch die Kanzlerin und der Innenminister muss vermehrt zu diesem Thema Stellung beziehen.

Auch Stuttgarter Migrantenvereine engagieren sich zunehmend für eine vielfältige offene Gesellschaft. Ihre Beteiligung an den diesjährigen Internationalen Wochen gegen Rassismus war so groß wie noch nie. Unterstützt von der Stuttgarter Partnerschaft für Demokratie haben sie in dieser Veranstaltungsreihe einmal mehr deutlich gemacht, dass sich Migrantenvereine gegen Diskriminierung und rassistische Angriffe zu wehren wissen.

Eine unmissverständliches Votum für Vielfalt und gegen jegliche Form von Ausgrenzung gab es auch auf der diesjährigen Mitgliederversammlung des Forums der Kulturen: einstimmig verabschiedeten die Mitgliedsvereine des Forums die Erklärung Migrantenorganisationen für Menschenrechte, Vielfalt und Teilhabe. Diese Selbstverständniserklärung war im Vorfeld von den Vereinen selbst erarbeitet worden und wurde in vielen Communitys intensiv diskutiert.

Wir sollten also nicht nur von zunehmendem Rechtspopulismus und Rassismus reden, sondern auch von einem wachsenden Widerstand und einem ansteigenden rassismuskritischen Bewusstsein. Wer letztlich die Oberhand gewinnt, liegt nicht zuletzt an uns.

In diesem Sinne möchte ich Ihnen allen ein gutes, gesundes, aber auch engagiertes neues Jahr wünschen!

Ihr

Sami Aras
Vorsitzender des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.

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