Monatsmagazin

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

für den 21. Februar hat die UNESCO den Internationalen Tag der Muttersprache ausgerufen, als Gedenktag zur Förderung von sprachlicher und kultureller Vielfalt und von Mehrsprachigkeit. Für alle, die mit einer anderen Sprache als mit der deutschen aufgewachsen und groß geworden sind oder deren Eltern eine andere Sprache sprechen, ist dies ein wichtiger Tag. Denn die Sprache der Region, aus der man selbst oder die Eltern stammen, ist für viele immer noch die Sprache des Herzens. Wird es emotional, wechselt man schnell in diese „andere“ Sprache.

Aber auch die Wissenschaft – und die Wirtschaft – haben inzwischen erkannt, welch großer Vorteil es ist, wenn man mehr als nur eine Sprache beherrscht. Für eine zunehmend globalisierte Welt ist es unerlässlich, nicht nur Deutsch (und vielleicht noch etwas Englisch) zu können, sondern sich auch in anderen Sprachen locker zu bewegen – fürs Geschäftsleben ebenso wie im Privaten.

Mehrsprachigkeit schafft aber auch ein größeres Verständnis untereinander. Polyglotte Menschen können sich in der Regel leichter in andere Menschen hineinversetzen und auch andere Perspektiven einnehmen. Und vielen Menschen, die zweisprachig aufgewachsen sind, fällt es auch leichter, eine weitere Sprache zu lernen. Immer mehr Studien bringen immer mehr Vorteile an den Tag, die Mehrsprachigkeit und ein polyglottes Umfeld mit sich bringen. Umso unverständlicher ist, dass dies in weiten Teilen unserer Gesellschaft immer noch nicht anerkannt und wertgeschätzt wird. So wichtig es ist, gut Deutsch zu können, die Herkunftssprache sollte ebenso bewahrt, gelehrt und gelernt werden.

Es ist der verständliche Wunsch vieler Migrantinnen und Migranten, dass ihre Kinder sich auch in der Sprache ihrer Eltern ausdrücken können, dass dieser wertvolle Schatz der Zweisprachigkeit nicht verloren geht. Deshalb betreiben auch viele Migrantenvereine eigene Sprachschulen, in denen sie ihre Kinder in der Sprache ihrer Herkunftsregion unterrichten. Sie leisten damit wertvolle Arbeit, die in der Regel allerdings nicht entsprechend honoriert wird. Von der breiten Öffentlichkeit nicht beachtet oder zumindest kritisch beäugt und von der öffentlichen Hand nicht gefördert, betreiben viele Menschen diese Schulen mit enormen Enthusiasmus und großer Aufopferung in meist sehr prekären Verhältnissen.

Dies muss sich ändern; Möglichkeiten der öffentlichen Förderung müssen diskutiert und das öffentliche Ansehen dieser Schulen muss gestärkt werden. Eine Tagung, die das Forum der Kulturen am 6. und 7. März durchführt, will all diese Aspekte der Mehrsprachigkeit durchleuchten und nach Lösungen suchen. Der UNESCO-Tag der Muttersprache ist hierzu eine gute Vorübung.

Ihr

Sami Aras
Vorsitzender des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.

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