Monatsmagazin

Aktuelle Ausgabe November 2019

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die schrecklichen Ereignisse von Halle, der tödliche Anschlag auf die Besucher*innen einer Synagoge haben einmal mehr deutlich gemacht, welche Folgen menschenverachtende Hasstiraden, Ausgrenzung und rassistische Hetze haben können. Hier war die Motivation blanker Antisemitismus. Doch es waren dieselben Methoden und Denkmuster, derer sich auch der Attentäter von Christchurch in Neuseeland bediente – in diesem Fall richteten sich die Mordattacken gegen Muslim*innen.

In beiden Fällen ging es gegen „die Anderen“, die nach Meinung dieser mörderischen Gesinnungstäter nicht zu diesem Land gehören, die unsere „Identität“ bedrohen. Und deshalb gilt es immer und überall, wo Menschen auf Grund ihres scheinbaren „Anders- Seins“ ausgegrenzt, diffamiert und diskriminiert werden, dem entgegenzutreten. Es gilt, jeglichen menschenverachtenden Diffamiererungen und Hetzer*innen Paroli zu bieten, ihren Angriffen Einhalt zu gebieten.

Es gilt aber auch, sich mit den Wurzeln eines solchen Denkens auseinanderzusetzen. Was bringt Menschen dazu, auf andere Menschen, nur weil sie „anders“ zu sein scheinen, herabzublicken, sie als geringer wertig zu betrachten, sie schlimmstenfalls gewalttätig zu verfolgen? Stets müssen wir auch selbstkritisch hinterfragen, wie wir selbst mit anderen Menschen umgehen, wie wir reagieren, wenn wir mit anderen Wertesystemen, mit anderen Denkmustern oder Lebenswelten konfrontiert werden. Hilfreich ist hier immer ein Perspektivwechsel, die Fähigkeit und die Bereitschaft, mein Gegenüber auch mal mit anderen Augen zu sehen, sich in dessen Position hineinzuversetzen. Und natürlich sind es auch immer Begegnungen, gemeinsame Gespräche und Unternehmungen – das wirkliche Kennenlernen –, die uns einander näher und zusammenbringen.

Kunst und Kultur sind hierbei wunderbare Mittel. Sie ermöglichen Perspektivwechsel ebenso wie Begegnungen und das Voneinander-Lernen. Das Theater ist hierfür ein idealer Ort; es bringt uns andere Denkmuster und Lebenswelten nahe und entführt uns an die entlegensten Orte unseres Denkens und Fühlens, es ermöglicht eine kreative Auseinandersetzung mit den Fragen unserer Zeit – vorausgesetzt, das Theater stellt sich diesen Fragen und baut nicht nur realitätsferne Traumwelten auf.

Mit unserem alle zwei Jahre stattfindenden interkulturellen Theaterfestival Made in Germany bringen wir Theaterproduktionen aus ganz Deutschland nach Stuttgart. Auf zwölf verschiedenen Bühnen dieser Stadt werden Stücke gezeigt, die sich alle mit einer von Flucht und Migration geprägten Realität auseinandersetzen, mit Visionen und Ängsten, mit Bedrohungen und mit Freuden einer gelebten kulturellen Vielfalt. Nutzen Sie die einmalige Chance, einen Blick auf unsere Gesellschaft zu werfen, der Spaß und Hoffnung macht, statt Hass und Frust zu erzeugen.

Ihr

Rolf Graser
Geschäftsführer des Forums der Kulturen Stuttgart e.V.

(Ältere Ausgaben des Monatsmagazins stehen Ihnen hier zum Download zur Verfügung.)