Monatsmagazin

Aktuelle Ausgabe Sommer 2020

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Endlich erscheint es wieder, unser interkulturelles Stuttgart-Magazin – wenn auch noch mit einem sehr dün- nen Veranstaltungskalender. Viele Veranstaltungen – vor allem viele neue, innovative Formate – sind derzeit erst am Entstehen. Und nach wie vor kann Vieles nicht stattfinden, insbesondere all die Festivals und Straßenfeste, die sonst unsere Sommerausgabe bereichern. Das größte interkulturelle Festival, unser großes, buntes Sommerfestival der Kulturen, fällt ebenfalls der Corona-Pandemie zum Opfer. Wir widmen ihm deshalb auch einige besonders bunte Seiten.

Dass diese Zeitschrift wieder erscheint, ist auch ein Zeichen der Rückkehr zu mehr Normalität. Doch was bedeutet „Normalität“? Die Normalität von Ausgrenzung, Ungerechtigkeit und Klimawandel? Oder die Normalität einer offenen und vielfältigen Gesellschaft? „Normalität“ ist immer etwas von Menschen gemachtes und damit auch stets im Wandel, veränderbar.

Eine „Normalität“, die uns allen in den letzten Wochen mehr als deutlich vor Augen geführt wurde, ist die „Normalität“ von Rassismus: Rassismus im Alltag, in unseren Strukturen und in unserem Denken, Rassismus als zerstörerische, weltweit wütende Pandemie, für die es bislang noch keinen Lockdown gibt. Doch was rasch zur „Normalität“ wurde, war die weltweite Empörung, das Aufbegehren, der Widerstand hiergegen. Es sind nicht nur die vielen jungen Menschen, die – oft erstmals – auf die Straße gehen und protestieren – selbst die Bundesregierung redet inzwischen von „strukturellen Rassismus“. Auch wenn der Ausgang von all dem noch offen ist – es könnte der Beginn einer Veränderung sein, hin zu einer etwas anderen „Normalität“.

Wirkliche Veränderungen erfordern auch ein Umdenken bei den „Weißen“, erfordern ein Bewusstsein dafür, welche Vor- teile man hat, wenn man einer vorherrschenden weißen „Norm“ entspricht. Und natürlich bedarf es auch der Courage und des Engagements – nicht zuletzt, wenn man mal wieder Zeuge von Diskriminierung und Ausgrenzung wird, in der U-Bahn, bei einer Behörde oder im Freundeskreis. Und es braucht Ereignisse wie das Sommerfestival der Kulturen, bei dem man erleben kann, wie bereichernd, wie ansteckend Vielfalt ist, wie wertvoll Begegnungen sind mit Menschen, die „Normalität“ anders beschreiben als man selbst. Gerade jetzt wäre das Festival auch ein wichtiges Fanal gegen den zunehmenden Rassismus gewesen.

Doch Möglichkeiten für Begegnungen, für Engagement und für das Erleben von Vielfalt gibt es nach wie vor. Nehmen Sie sie wahr! Unsere Zeitschrift wird Ihnen dabei helfen.

Ihr

Sami Aras
Vorsitzender des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.

(Ältere Ausgaben des Monatsmagazins stehen Ihnen hier zum Download zur Verfügung.)