Monatsmagazin

Aktuelle Ausgabe

  

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

im nun zu Ende gehenden Jahr standen viele Probleme im Vordergrund: der Einzug von nationaltümelnden Rechtspopulisten in die Parlamente, rassistische Übergrif­fe und Vorurteile und eine allgemeine Verrohung der Diskussion um Migration und Flucht. Doch trotz alle diesen Sorgen und Klagen: es wird leicht übersehen, was sich in letzter Zeit alles verbessert hat, was alles erreicht werden konnte.
So wird kulturelle Vielfalt mittlerweile von einer großen Bevölkerungsmehrheit als Normalität und Deutschland als „Einwanderungsland“ begriffen – vor nicht zu langer Zeit war dies noch höchst um­­stritten. Fortbildungsangebote zur „interkulturellen Öffnung“ erfreu­en sich einer zunehmenden Nachfrage und mittlerweile gibt es kaum eine nennenswerte Institution oder einen Verband, der sich nicht positiv zu Integration und Migration geäußert hat. Diversity-Konzepte unterschiedlichster Art werden allerorts entwickelt.  Mehrsprachigkeit (vor noch nicht zu langer Zeit abgetan mit der Bemerkung „Erst mal Deutsch lernen“) wird zunehmend als wertvolles Potenzial geschätzt (wenn auch noch zu wenig gefördert). Hier  wie bei den Diversity-Konzepten kommt übrigens der Wirtschaft eine klare Vorreiterrolle zu. Schließlich profitiert sie auch unmittelbar davon, wenn ihre Beschäftigten mehr als eine Sprache fließend beherrschen.
Es wird inzwischen auch deutlich mehr Geld in die Hand genommen, um den von Migration und Flucht geprägten gesellschaftlichen Wandel für alle (!) Beteiligten ohne größere Reibungsverluste gemeinsam sinnvoll zu gestalten – Geld vom Staat, aber auch Geld von privaten  Förderern und Stiftungen – mehr Mittel für allgemeine integrationspolitische Bemühungen aber auch für den Bildungsbereich, für die Flüchtlings- oder die Kulturarbeit, aber auch Mittel für Demokratieerziehung und für Aktivitäten, die sich gegen Diskriminierung, Rassismus und Rechtsradikalismus richten.
Die Berücksichtigung der Belange von Migrantinnen und Migranten und das Bewusstsein, dass wir in einer kulturell völlig durchmischten Gesellschaft leben, prägt zunehmend auch die Agenda von Institutionen und Einrichtungen, die man auf den ersten Blick nicht mit dem Thema in Verbindung gebracht hätte, wie Polizei, Blasmusikvereine oder Kirchengemeinden, Umweltverbände, Bestattungsdienste oder Standesämter. Das Thema ist inzwischen in der Mitte der Gesellschaft an­ge­kom­men.
Doch so wichtig es ist, auch einen positiven Blick auf das Erreichte zu lenken: wir dürfen die Augen nicht verschließen vor den realen Gefahren, die nach wie vor unserer Demokratie und unserem Zusammenhalt drohen – durch Ausgrenzung und Hass, durch Fundamentalismus und Extremismus, durch rückwärtsgewandten Nationalismus und unsolidarischen Egoismus.
Es gibt also auch im neuen Jahr, für das ich Ihnen alles Gute wünsche, noch viel zu tun.

 

Ihr

Sami Aras
(Vorsitzender des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.)