Monatsmagazin

#OnlineZeitschrift – die Juniausgabe unseres Monatsmagazins

Liebe Leser*innen,

dies soll erst einmal das letzte Editorial sein, das nicht auch gedruckt erscheint. Der Juni wird der hoffentlich letzte Monat sein, in dem unser interkulturelles Monatsmagazin lediglich digital unter https://www.instagram.com/forumderkulturen/ und https://www.facebook.com/FDKStuttgart/ an die Öffentlichkeit geht. Ab dem Juli wird unsere Zeitschrift dann in hoffentlich vielen wieder eröffneten Theatern, Museen, Vereinsräumen und Infostellen ausliegen. Mit einer Sonder-Sommerausgabe werden wir in gedruckter Version wieder Fahrt aufnehmen – auch wenn der Veranstaltungskalender corona-bedingt voraussichtlich leider etwas dünn ausfallen wird.

Ein Stück „Normalität“ wollen wir damit wieder zurückgewinnen, wollen wieder ausführlich über das interkulturelle Leben Stuttgarts, über die Aktivitäten von Migrantenorganisationen und von Menschen berichten, die sich für das soziale und kulturelle Leben dieser Stadt engagieren – und natürlich auch über die Lücke, die die Absage unseres großen Sommerfestivals der Kulturen hinterlassen wird, bei den Vereinen, den Musiker*innen, dem Publikum.

Doch was heißt schon „Normalität“ – nicht nur in diesen bewegten Zeiten, in denen man vielfach nur noch von einer Woche auf die andere planen kann und Dinge als „normal“ gelten, die noch vor einem halben Jahr undenkbar waren? Auch unabhängig von den vielen Veränderungen, die Corona mit sich gebracht hat: „Normalität“ als etwas Statisches, Stabilität Verspechendes war schon immer eine Illusion. Wer an „Normalitäten“ glaubt und „Normen“ für unveränderbar hält, verkennt die Dynamik unserer offenen Gesellschaft.

Vielfalt und Offenheit führen zwangsläufig zu Veränderungen und damit auch zu einem stetigen Wandel scheinbar stabiler Normen. Vielfalt und Offenheit bedeuten eine enorme Bereicherung, nicht nur im kulturellen sondern im gesamten gesellschaftlichen Leben. Vielfalt, Offenheit und die damit zwangsläufig verbundenen Veränderungen können auch zur Bedrohung werden: für liebgewordene Gewohnheiten und Bequemlichkeiten, für tradierte Machtgefüge, für Engstirnigkeiten. Veränderungen sind nicht immer leicht zu verdauen – auch das lehrt uns Corona.

Wer zurück zur „Normalität“ will, muss sich stets fragen: zu welcher „Normalität“ – zu der des Alltagsrassismus, der Ungerechtigkeiten und des Klimawandels, oder zu der einer offenen und vielfältigen Gesellschaft, die jedem Menschen ausreichend Platz bietet, menschenwürdig zu leben, saubere Luft zu atmen und sich kreativ entfalten  zu können?

In diesem Sinne: bleiben Sie gesund und munter, bleiben Sie aktiv und engagiert!

Ihr

Rolf Graser
Geschäftsführer des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.

(Ältere Ausgaben des Monatsmagazins stehen Ihnen hier zum Download zur Verfügung.)