Theaterensemble

Frühere Projekte

Stehen geblieben Z“ – 2018/2019

In diesem Projekt aus der Spielzeit 2018/2019 beschäftigte sich das Theaterensemble mit dem Erstarken konservativer Ansichten in der Gesellschaft. Wir starteten die Auseinandersetzung mit provokanten Fragen bereits in der Ausschreibung: Nervt es Sie auch, wenn Bio-Deutsche mal wieder irgendwas von Vielfalt erzählen? Haben Sie das Gefühl, niemand versteht mehr, was überhaupt passiert? Ärgert es sie, wie über die Türkei oder Russland gesprochen wird? Und sind sie trotzdem froh, nicht dort leben zu müssen? Viele bemerken es nicht, aber der große Streit zwischen „Links“ und „Rechts“ findet vor allem unter Migrant*innen statt.

Wir haben dazu respektvolle Gespräche geführt, bei denen es auch um sensible Themen ging: Ist die Liebe zur Familie schon rückschrittlich? Macht das moderne Leben wirklich einsam? Muss der Mensch sich von den Fesseln der Traditionen endlich befreien? Die Undurchsichtigkeit unseres Themas, das sich in der Anfangsfragestellung bereits zeigte, hatte sich als dauerhaftes Gefühl im Projektverlauf eingenistet und wurde erst in der zweiten Hälfte, während der Auseinandersetzung mit dem Sommerstück gelöst.

Aus den Ergebnissen der Recherche und intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema entstanden zwei Produktionen: Stehen geblieben?! feierte am 22. Februar 2019 Premiere und wurde insgesamt sieben Mal aufgeführt, davon fand eine Vorstellung im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus im Theater Rampe statt. Stehen geblieben Z wurde am 5. Juli 2019 zum ersten Mal und bis jetzt insgesamt vier Mal aufgeführt.

„Loredyne“ – 2019/2020

Ein Leben ohne Technik ist inzwischen kaum denkbar und die Wählbarkeit der digitalen Identitäten wird als Mehrwert empfunden, doch deren Omnipräsenz führt häufig zu einer unbewussten Überforderung und zu Schwierigkeiten bei einer klaren Identitätskonstruktion. Die Wichtigkeit realer und persönlicher Begegnungen für unsere Identität wurde durch den Corona-Lockdown noch zusätzlich verstärkt spürbar.

In der Spielzeit 2019/2020 beschäftigten wir uns intensiv und reflektiert mit folgenden Fragen und Aspekten der Persönlichkeit: Wir sind wer wir sind, wegen unserer Herkunft und so bleiben wir auch? In einer immer größer und vernetzter werdenden Welt mutet eine solche Aussage gestrig an. Wie können wir uns unserer Identität sicher sein, wenn die Authentizität selbst fundamental infrage gestellt wird? Was definiert uns mehr? Der Geburtsort unserer Eltern oder unsere Nutzernamen? Wenn alle eine Vielzahl von sich ständig verändernden Identitäten ausüben: Was bedeutet die „kulturelle Herkunft“? Gibt es noch schlüssige kulturelle Identitäten?

In der ersten Projektphase bis Dezember 2019 haben wir in der ersten Stunde der Proben Grundlagen des Theaterspielens vermittelt. Anschließend fanden im Rahmen unserer Recherche Interviews mit Expert*innen statt. Die Teilnehmenden haben sich außerdem aktiv und intensiv unter der Anleitung des Medienpädagogen Tobias Göckle-Brauchler an zwei Workshops mit digitalen Identitäten beschäftigt, digitale Selbstvermarktung, Framing, Social Targeting und „Fake“ in experimenteller Arbeit betrachtet, sowie eigene fiktive Personen erarbeitet und diese über einige Wochen erfolgreich in den sozialen Medien betreut. In den darauffolgenden Schreibwerkstätten wurden erste Texte geschrieben, die bisherigen Erfahrungen literarisch aufgearbeitet und weiterentwickelt, weitergeformt.

Unter den besonderen Umständen des ersten Lock-Downs haben wir ein innovatives Auftrittsformat entwickelt, das sowohl dem Thema als auch dem Wunsch der Spielenden, echte Theatermomente und die darin enthaltene Spontaneität und Überraschung fürs Publikum zu ermöglichen, gerecht wurde. So entstand eine Homepage mit interaktiven Streetview-Elementen durch aufgezeichneten Szenen als Videos und live „gespielten“ Szenen auf der Smartphone-App Telegram, sowie einer live ausgestrahlten Schlussszene über die Videokonferenzplattform Zoom. Unsere digital-live Produktion haben wir an vier Abenden im Juli 2020 dem Publikum präsentiert.