Monatsmagazin
Aktuelle Ausgabe April 2025
Liebe Leser*innen,
auch wenn in Berlin ein Milliarden schweres Investitionspaket beschlossen wur – de, in Stuttgart kündigen – ebenso wie in den meisten deutschen Städten – die Finanzbürgermeister schwierige Zeiten an: der Rückgang von Steuereinnahmen zwingt zum Sparen.
Auch in Stuttgart wird bereits heftig diskutiert, auf welche eigentlich längst beschlossenen Projekte vielleicht doch verzichtet werden kann. Und für die anstehenden Haushaltsberatungen werden die Erwartungen auf Zuschusserhöhungen gedämpft – selbst wenn dies angesichts massiv steigender Kosten für viele freie Träger einen Rückschritt bedeuten würde.
Der für gesellschaftliches Engagement, für Kultur wie für Soziales verfügbare finanzielle Rahmen wird enger. Dabei drohen integrationspolitische und interkulturelle Themen , Maßnahmen zur Gestaltung von Migration, kulturelle Vielfalt und kulturelle Teilhabe unter die Räder zu geraten.
Doch gerade die Förderung von Sprachkursen, von Einstiegshilfen in den Arbeitsmarkt, von Bildungsprojekten, von Respektlotsen und Beratungsangeboten – all das ist ebenso unerlässlich wie der Ausbau einer Willkommenskultur und des Empowerments, die Bekämpfung von Ausgrenzung und Rassismus und die Förderung von Begegnungsund Austauschformaten. All das – und noch viel mehr – benötigt unsere Stadt, nicht nur um dringend benötigte Arbeitskräfte nach Stuttgart zu holen (und zu halten!), son – dern auch zum Erhalt des gesellschaftlichen Zusammenhalts, der aktuell mehr denn je in Gefahr läuft auseinanderzubrechen. Die Folgen eines weiteren Auseinander driftens unsere Gesellschaft, einer weiteren Polarisierung wären nicht auszudenken. Deshalb sollten integrationspolitische und interkulturelle Aufgaben zum Pflichtenheft des Staates, vor allem aber auch einer jeden Kommune gehören, an denen nicht gespart werden darf, die vielmehr noch weiter ausgebaut werden müssen.
Gerade das Haus der Kulturen ist hierfür ein gutes Beispiel, soll es doch letztlich das Haus des gesellschaftlichen Zusammenhalts werden, in dem all das oben Beschriebene stattfinden und zusammenlaufen kann – und zwar mitten im Herzen unserer Stadt für jeden und für jede zugänglich. Ein solches Haus der Kulturen ist nicht nur ein bedeutsames Symbol für unsere vielfältige Stadtgesellschaft, sondern auch ein Ort, wo vieles von dem umgesetzt werden kann, was notwendig ist, um Migration produktiv-kreativ zu gestalten, vor alle aber ein Ort der Begegnung und des Austausches, ein Ort an dem Migration nicht als „Mutter aller Probleme“ verleumdet, sondern als pulsierender lebendigen Kern einer offenen und bunten Gesellschaft erlebbar wird.
Ein solches Haus darf nicht Spielball einer Sparpolitik werden, darf nicht Verhandlungsmasse werden im innerstädtischen Poker um Prioritäten und Streichungen. Es muss weiterhin oben an stehen auf der Liste der aktuellen städtischen Bauvorhaben. Unsere Stadt hätte ein solches Haus schon lange gebraucht; nun darf sich dessen Errichtung nicht länger hinausziehen. Es wird ein Gewinn sein für alle Stuttgarterinnen und Stuttgarter!
Ihr Sami Aras
Vorstandsvorsitzender des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.
(Ältere Ausgaben des Monatsmagazins stehen hier zum Download zur Verfügung.)
