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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Nationalfahnen haben bei Fußballweltmeisterschaften stets Hochkonjunktur; Autos und Hausfassaden werden zu Fahnenträgern. Dabei sind es nicht nur deutsche Fahnen. Nationalfarben und -symbole aus unzähligen anderen Ländern machen während einer solchen Weltmeisterschaft unser Stadtbild bunter – auch eine

Möglichkeit, andere Länder und Menschen mit engen Bezügen zu diesen Länder kennenzulernen.

So eine Weltmeisterschaft bedient Emotionen und setzt jede Menge Emotionen frei (nicht immer nur angenehmer Art). Dabei definieren sich diese Emotionen weitgehend über das Nationale. Doch gerade der Fußball ist internationaler, interkultureller und bunter wie kaum ein anderes Massenphänomen. Bei der Zusammenstellung einer Nationalmannschaft fragt niemand: wo kommst du her? Es gilt nur die Frage: wie gut bist du, wo willst du hin? So sind Nationalmannschaften meist ein wunderbares Spiegelbild unserer kulturell vielfältigen Gesellschaft. Man würde sich wünschen, der Bundestag wäre ebenso bunt – und damit wirklich repräsentativ. Und nicht wenige der Spieler, die jetzt für die Nation spielen, deren Pass sie besitzen, spielen ansonsten in irgendeinem ganz anderen Land. Aber auch bei den Fans gibt es oft keine eindeutige nationale Zuschreibung. Nicht wenige Fan-Autos schmücken die Fahnen von mindestens zwei Ländern. Emotionale Bezüge hat man eben nicht nur zu dem Land, in dem man gerade lebt.

Kurz nach dem Schlusspfiff bei der Weltmeisterschaft geht das Sommerfestival der Kulturen an den Start. Und auch bei diesem großen und beliebten Bürgerfest für alle Stuttgarterinnen und Stuttgarter werden Emotionen bedient: es gibt mitreißende, begeisternde Musik, es gibt leckeres Essen, es gibt wunderbare Begegnungen – was will das Herz mehr? Nur dass hier nicht das Nationale die Herzen bewegt, sondern das Internationale, Interkulturelle, Bunte. Nicht der Wettstreit der Nationen sondern das Miteinander steht im Vordergrund. Und wer sich auch nur eines der durchweg phantastischen (versprochen!) Konzerte des Festivals anhört, der merkt, wie kreativ, innovativ und bereichernd es ist, wenn Elemente aus unterschiedlichen kulturellen Traditionen und Stile zusammenkommen und etwas Neues, vorher oft nicht Vorstellbares entsteht.

Und damit ist auch das Sommerfestival ein Spiegelbild unserer bunten, kulturell vielfältigen Gesellschaft, das zeigt, wie friedliches Miteinander zur Normalität werden kann – ohne das Nationale bedienen zu müssen. Überzeugen Sie sich hiervon und besuchen Sie uns und das bunte Stuttgart.

Ihr

Rolf Graser
Geschäftsführer des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.