Monatsmagazin

Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Viele Migrantinnen und Migranten, aber auch viele ihrer Nachkommen, engagieren sich in hohem Maße für ihre Mitmenschen. Sie kümmern sich um Kinder und Jugendliche, aber auch um Ältere und Kranke. Sie organisieren Informationsabende, Konzerte oder Theateraufführungen. Sie sind besorgt und engagiert, wenn es um die soziale Lage in ihren Herkunftsländern geht, aber auch um soziale Schieflagen hier in unserer Gesellschaft. Sie sind nicht nur selbst von Rassismus und Diskriminierung betroffen, sie treten dem auch entschieden entgegen.

Ihr Engagement ist enorm vielfältig. Die hier begonnene Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen. Doch dieses Engagement wird nur selten wahrgenommen und wertgeschätzt. Migrant*innen werden wohl häufig als „Sozialschmarotzer“ betitelt, aber nur selten als sozial Engagierte. Sie werden von vielen immer noch zu Bewohner*innen scheinbarer „Parallelwelten“ abgestempelt, obwohl sie längst unverzichtbarer Bestandteil einer bürgerschaftlich und sozial stark engagierten Stadtgesellschaft sind.

Viel von diesem Engagement findet in Migrantenvereinen statt. Und nicht zuletzt deshalb liegt uns als deren Dachverband die Stärkung dieses Engagements auch ganz besonders am Herzen. Denn es wird nicht nur zu wenig wahrgenommen, es wird auch zu wenig gefördert. Migrantisches Engagement passt oft nicht in die gängigen, etablierten Förderstrukturen. Migrantische Engagierte verfügen auch meistens nicht über die leider immer noch maßgebenden „Seilschaften“. Nicht zuletzt deshalb hat das Forum der Kulturen vor einigen Jahren ein neues bedarfsgerechtes Förderkonzept entwickelt, das „House of Resources“.

Allen Vorurteilen zum Trotz: Migrant*innen engagieren sich nicht nur in ihren Communities – so wertvoll dies auch ist – sondern auch hinein in die gesamte Gesellschaft, sozial, kulturell, aber natürlich auch politisch: denn auch ihr tägliches Leben wird von Fragen der Wohnungs- und Verkehrspolitik ebenso geprägt wie von der Stadtplanung und der Sozial- oder der Kulturpolitik.

In Kürze bietet sich wieder eine wichtige Möglichkeit des politischen Engagements, nämlich bei der Oberbürgermeister- Wahl, zu der am 8. November alle Stuttgarterinnen und Stuttgarter aufgerufen sind. Leider nicht alle, sondern nur die mit einem Pass der EU. Aber zumindest all diejenigen, die wählen dürfen, sollten diese Möglichkeit unbedingt auch nutzen. Auch dies ist wichtige Teilhabe an der Mitgestaltung unserer aller Zukunft hier in dieser Stadt. Auf den Seiten 6 und 7 lesen Sie hierzu mehr.

Bleiben Sie engagiert!

Ihr

Sami Aras
Vorsitzender des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.

(Ältere Ausgaben des Monatsmagazins stehen Ihnen hier zum Download zur Verfügung.)