Monatsmagazin

Aktuelle Ausgabe Sommer 2019

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der Juli steht für uns ganz im Zeichen des Sommerfestivals der Kulturen. Für viele ist dies der Höhepunkt im „interkulturellen Jahr“, das „Aushän- geschild“ des Forums der Kulturen. Dabei bildet dieses Festival eigentlich nur einen kleinen Ausschnitt dessen ab, was wir das ganze Jahr über auf die Beine stellen.

Für viele ist das Sommerfestival der Kulturen ein „Fest der Nationen“ mit „Kultur und Kulinarischem aus den 170 in Stuttgart vertretenen Nationen“. Doch es sind keine Nationen, die hier leben, sondern Menschen – Menschen, die auch nicht verantwortlich sind für das, was in ihren jeweiligen Herkunftsländern alles geschieht. Und weder diese Menschen, noch das, was sie kochen oder singen oder tanzen, muss unbedingt „typisch“ sein für ihre Herkunftsregion. Denn diese Länder wie auch deren Kulturen sind vielfältig, es gibt nicht nur das eine Gericht oder den einen Tanz, der bei uns als „typisch“ gilt; es gibt nicht die eine Leitkultur, genauso wenig wie Lederhosen oder Blasmusik „typisch“ für Deutschland sind. „Typisch ist allein die Vielfalt“ – so steht es schon seit vielen Jahren auf den Bannern des Sommerfestivals.

Was hingegen beim Festival in verschwenderischer Üppigkeit zu sehen und zu hören sein wird, ist die Vielseitigkeit und die Buntheit der unterschiedlichsten kulturellen Nuancen und Farben der verschiedensten kulturellen Ausprägungen unserer Welt. Wir erleben auf dem Stuttgarter Marktplatz nicht die Darbietung einzelner Nationen, sondern das kreative Zusammenspiel einer Vielzahl von Farben, Nuancen und Stilen. Deshalb hatte beim Sommerfestival der Kulturen auch die Zur-Schau-Stellung einzelner Nationen noch nie einen Platz.

Weltmusik ist für mich die „Tonspur der Einwanderungsgesellschaft“. Denn genauso wie im realen Leben das Miteinander und Nebeneinander der unterschiedlichsten Lebenswelten und Wertesysteme, Kulturen und Religionen einander befruchten, genauso erzeugt das Miteinander der unterschiedlichsten Klänge und Rhythmen etwas faszinierend Neues und Frisches, ohne dabei die ihnen innewohnende Traditionen zu verleugnen: das kreative Miteinander von Unterschiedlichem als Reichtum und Fortschrittsmotor einer offenen und bunten Gesellschaft. Die Wirtschaft hat das schon längst erkannt; bei manchen unserer Mandatsträger lässt diese Erkenntnis noch auf sich warten.

Gerade weil unser Festival nicht einzelne Nationen, sondern die große vielfältige Gesamtheit im Blick hat, wird das Festival oft auch als „das größte, wirkliche Bürgerfest“ dieser Stadt bezeichnet. Denn hier ist jedermann und jedefrau willkommen, ohne auf die Herkunft (oder auf die Herkunftsnation), ohne auf den sozialen Status oder auf das Aussehen reduziert (und dadurch vielleicht auch abgewertet) zu werden.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Ihr

Rolf Graser
Geschäftsführer des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.

(Ältere Ausgaben stehen Ihnen hier zum Download zur Verfügung.)